Internationale Kommunistische Partei

Gegen die Reaktion

Kategorien: Italy, PCd'I

Vorhandene Übersetzungen:

Agieren wir, ja, arbeiten wir, ja, um denjenigen Genossen, die sich am meisten aufgeopfert haben, die
gebotene Hilfe zukommen zu lassen, um der Massenbewegung ihre Führer wiederzugeben. Aber machen
wir nicht den Fehler, den Kampf für dieses Ziel als einen vom gesamten Kampf – der mit der heutigen
Lage und den sie determinierenden Ursachen in ihrer ganzen Breite und Tiefe engstens verflochten ist –
getrennten zu führen. Es wäre illusorisch zu glauben, man könnte die herrschende Klasse und ihre Regie-
rung dazu bringen, zum Normalzustand zurückzukehren und jene Rechte zu respektieren, die ihre Justiz
den Einzelnen und Gruppen formell gewährt.

Für uns besteht das Problem nicht darin, den Gegner zu zwingen, wieder das Gesetz, sein Gesetz einzuhalten. Es würde nur jene konterrevolutionären Illusionen nähren, denen zufolge die bürgerliche Legalität für den Emanzipationskampf der Massen tauge. Würden wir es auch nur vorübergehend akzeptieren, uns in der Praxis mit jenen Bewegungen zusammenzutun, deren Theorie und Taktik diesem grundlegenden Irrtum erlegen sind, würden wir unsere ganze Propagandaarbeit zunichte machen und den Anschein erwecken, dass, wenn nur die Bourgeoisie sich an ihre eigenen Gesetze hält, wir uns ebenfalls verpflichten oder verpflichten lassen, desgleichen zu tun. Es würde heißen, dass wir das bestehende Verfassungssystem für wünschenswert halten, und es würde heißen zu vergessen, dass die Freiheit, die einzuräumen es sich rühmt, laut unserer marxistischen Kritik nur ein Schwindel ist, ein Mittel ihrer Herrschaftssicherung.

Nun, die Kommunisten sollten niemals solche stereotypen und lächerlichen Phrasen in den Mund nehmen, wie die der Meinungsfreiheit, der Persönlichkeitsrechte oder ähnliche Stoßgebete, die bloß der bürgerlichen Demokratie und dem sozialistoiden Opportunismus lieb und teuer sind. Auch müssen wir denjenigen, die unseren syndikalistischen und anarchistischen Vettern nahestehen, entgegentreten, die auf diese kleinbürgerlichen Phrasen hereinfallen und glauben, damit sehr radikal aufzutreten. Die Kommunisten
stehen auf einem ganz anderen Boden. Sie wissen, dass die Rückkehr zur traditionellen bürgerlichen Legalität nicht möglich ist. Sie erklären, dass im historischen Sinne folgende Alternative gilt: Entweder die Legalität wird gebrochen, um die offene Diktatur der Konterrevolution durchzusetzen oder um die revolutionäre Diktatur des Proletariats zu begründen. Sie setzen sich nicht das Ziel, eine neue Epoche von politisch und rechtlich normalen Verhältnissen zu eröffnen – was, wenn es nicht sowieso absurd wäre, nur eine neue Phase friedlicher Wiederaufrichtung der kapitalistischen Herrschaft und der damit verbundenen Privilegien bedeuten würde –, sondern sie zielen auf den Übergang zur Epoche der revolutionären Macht des Proletariats. Die Kommunisten sagen nicht zur Bourgeoisie: Hütet euch, wenn Ihr eure Gesetze nicht einhaltet, machen wir die Revolution… um ihnen wieder Geltung zu verschaffen. Im Gegenteil brechen die Kommunisten diese Gesetze durch die revolutionäre Aktion. Wer, wie die Sozialdemokraten, den legalen Boden des Kampfes nicht verlassen will, wird niemals unser Verbündeter sein.

Um gegen die Reaktion zu kämpfen, gibt es also keinen anderen Weg, als sich zum Zwecke ihrer Zer schlagung zu organisieren und den Kampf zu führen, ohne die gewaltsamen Mittel zu verpönen. Wir müssen unseren Kampf so gestalten, dass er nicht mehr so leicht von den Sanktionen der bürgerlichen Macht getroffen werden kann und das feindliche System tiefer und sicherer trifft. Hiermit also ist die ganze Frage der revolutionären Methode verbunden, worin wir weder mit den Sozialdemokraten zusammengehen, die glauben, die Verletzung der bürgerlichen Legalität umgehen zu können, noch mit den Anarchisten, die meinen, nach der Zerschlagung des alten Systems sei es nicht nötig, eine neue Macht, eine neue disziplinierte Organisation, eine neue Armee und Polizei und auch eine neue Repression gegen die bürgerliche Klasse zu haben.

Die Frage der politischen Opfer und des Kampfes gegen die Reaktion hat also keinen zufälligen und negativen Charakter, vielmehr führt sie auf die allgemeine und positive Frage des Kampfes gegen die heutige Ordnung zurück. Wer glaubt, diese Frage Hand in Hand mit den Sozialdemokraten lösen zu können, stellt sie im Sinne der Konterrevolution und arbeitet für sozialdemokratische Ergebnisse, auch wenn er erklärt, alles andere als deren Ansichten zu vertreten.

Die Kommunistische Partei kämpft gegen die Reaktion, eben weil sie gegen die bürgerliche Macht kämpft, selbst wenn diese sich im Rahmen ihrer „legalen“ Funktionen bewegt. Sie führt diesen Kampf, indem sie das proletarische Bewusstsein und die proletarischen Kräfte in diese Richtung kanalisiert, indem sie das Terrain der Illegalität und der Gewalt akzeptiert – nicht, weil die Bourgeoisie diese Wahl getroffen hat, sondern weil es das einzige Terrain ist, auf den sich das Proletariat zum eigenen Nutzen stellen kann, um den Auflösungsprozess der bürgerlichen Legalität zu beschleunigen, bis das System schließlich geschlagen sein wird und die großartige proletarische Legalität, der nicht im voraus durch irgendwelche rhetorischen Anwandlungen die Hände gebunden werden dürfen, errichtet werden kann. All jene Gründe also, die zur Bildung der Kommunistischen Partei führten und sie ihre Kampfform festlegen ließen, tauchen wieder auf, wenn es um die Frage des Kampfes gegen die Reaktion geht. Die Reaktion ist selbst die bürgerliche Macht; der Feind wird uns nie mit anderen, leichter zu überwindenden Waffen entgegentreten.

Eben deshalb nehmen die Kommunisten den Kampf gegen die feindlichen Gewalttaten und Übergriffe auf, ohne die Physiognomie ihrer Organisation und ihrer Taktik auch nur im Geringsten zu verändern.